Feste Routinen statt Einzelfallentscheidungen
Die Trachealkanüle ist bei tracheotomierten Klienten der Zugang zu den Atemwegen und damit ein sicherheitskritischer Punkt der Versorgung. Probleme entwickeln sich oft schleichend: eine gereizte Einstichstelle, ein zu locker sitzendes Halteband, ein Cuffdruck außerhalb des Zielbereichs. Wer feste Kontrollroutinen etabliert, erkennt solche Entwicklungen, bevor daraus ein Notfall wird.
Wichtig für die Einordnung: Dieser Beitrag beschreibt Basiswissen zu Kontrollen, Beobachtung und Dokumentation. Welche Maßnahmen am einzelnen Klienten durchgeführt werden, wer sie durchführen darf und in welchen Intervallen, richtet sich immer nach der ärztlichen Anordnung und den Herstellerangaben der verwendeten Kanüle. Klären Sie Zweifelsfälle mit dem behandelnden Arzt, nicht am Bett.
Die drei täglichen Kontrollen
Jede Kontrolle steht mit Wert beziehungsweise Befund, Uhrzeit und Handzeichen in der Dokumentation. Liegt der Cuffdruck außerhalb des Zielbereichs, wird er korrigiert, und die Korrektur wird als eigener Eintrag festgehalten. So bleibt nachvollziehbar, wann ein Wert abwich und ab wann er wieder im Zielbereich lag. Täglich kontrolliert werden:
- Einstichstelle: die Haut rund um das Tracheostoma wird beurteilt. Rötungen, Druckstellen oder Sekretansammlungen werden mit Befund dokumentiert
- Halteband: Sitz und Spannung werden geprüft. Das Band muss die Kanüle sicher halten, ohne die Haut einzuschneiden
- Cuffdruck: der Druck der Blockung wird mit dem Messgerät kontrolliert. Der Zielbereich liegt bei 20 bis 30 cmH2O
Sekret beobachten: fünf Merkmale, ein Frühwarnsystem
Das Trachealsekret wird laufend nach fünf Merkmalen beurteilt: Menge, Konsistenz, Farbe, Beimengungen und Geruch. Der Wert dieser Beobachtung liegt im Verlauf. Ein einzelner Befund sagt wenig, die Veränderung gegenüber den Vortagen sagt viel.
Wird das Sekret zäher, verfärbt es sich, nimmt die Menge deutlich zu oder kommt ein auffälliger Geruch hinzu, sind das Frühwarnzeichen, etwa für einen beginnenden Atemwegsinfekt. Solche Veränderungen werden dokumentiert und an die verantwortliche Fachkraft und den behandelnden Arzt weitergegeben.
Damit der Verlauf sichtbar wird, müssen alle Schichten mit denselben Begriffen dokumentieren. Wenn eine Schicht von zähem und die nächste von dickflüssigem Sekret schreibt, ist unklar, ob sich etwas verändert hat oder nur die Wortwahl. Einheitliche Merkmale machen die Einträge vergleichbar.
Innenkanüle: jeder Wechsel wird dokumentiert
Viele Trachealkanülen haben eine herausnehmbare Innenkanüle. Sie nimmt Sekret auf und lässt sich entnehmen, ohne dass die äußere Kanüle bewegt wird. Wie oft die Innenkanüle gewechselt und wie sie aufbereitet wird, richtet sich nach der ärztlichen Anordnung und den Herstellerangaben.
Für die Dokumentation gilt: Jeder Wechsel wird festgehalten, mit Uhrzeit und Handzeichen. Auffälligkeiten beim Wechsel, etwa viel zähes Sekret in der Innenkanüle oder Verkrustungen, werden mit dokumentiert. Auch daraus entsteht ein Verlaufsbild, das der behandelnde Arzt für seine Entscheidungen braucht.
Das Notfall-Set am Bett
Für den Fall einer versehentlich entfernten oder verlegten Kanüle liegt am Bett ein Notfall-Set griffbereit. Legen Sie das Set so ab, dass jede Schicht es ohne Suchen findet, und ersetzen Sie entnommene Bestandteile sofort. Das Vorgehen im Notfall selbst ist Sache von Schulung und ärztlicher Anordnung. Zum Standard des Sets gehören:
- eine Ersatzkanüle in der gleichen Größe wie die liegende Kanüle
- eine Ersatzkanüle in der nächstkleineren Größe
- ein Spreizer, um das Tracheostoma offen zu halten
Dokumentation je Schicht
Alle genannten Punkte laufen in der Schichtdokumentation zusammen. Jede Schicht dokumentiert die durchgeführten Kontrollen, die Sekretbeobachtung, durchgeführte Wechsel und besondere Vorkommnisse, jeweils mit Uhrzeit und Handzeichen. Am Ende zeichnet die verantwortliche Pflegekraft ihre Schicht.
Diese Dichte hat zwei Gründe. Fachlich stellt sie sicher, dass die übernehmende Schicht den Zustand der Kanüle und den Sekretverlauf kennt, ohne auf mündliche Überlieferung angewiesen zu sein. Formal ist die Dokumentation der Nachweis, dass die Kontrollen tatsächlich stattgefunden haben. Ein nicht dokumentierter Cuffdruck ist im Zweifel ein nicht kontrollierter Cuffdruck.
So bilden wir das ab
ITbuddy.Care führt die Trachealkanülen-Kontrollen auf dem digitalen 24-Stunden-Tagesblatt: Cuffdruck mit dem Zielbereich 20 bis 30 cmH2O, Sekretbeobachtung nach den fünf Merkmalen und die Einträge je Schicht mit automatischer Uhrzeit und Handzeichen der angemeldeten Pflegekraft.
Häufige Fragen
Welcher Cuffdruck gilt als Zielbereich?
Der Zielbereich liegt bei 20 bis 30 cmH2O. Jede Kontrolle wird mit Wert und Uhrzeit dokumentiert, Abweichungen samt Korrektur.
Was gehört in das Notfall-Set am Bett?
Eine Ersatzkanüle in der gleichen Größe, eine Ersatzkanüle in der nächstkleineren Größe und ein Spreizer. Das Set liegt griffbereit am Bett und wird regelmäßig auf Vollständigkeit geprüft.
Nach welchen Merkmalen wird Trachealsekret beurteilt?
Nach fünf Merkmalen: Menge, Konsistenz, Farbe, Beimengungen und Geruch. Entscheidend ist der Verlauf, Veränderungen sind Frühwarnzeichen, etwa für einen beginnenden Atemwegsinfekt.
Muss jeder Innenkanülen-Wechsel dokumentiert werden?
Ja, mit Uhrzeit und Handzeichen. Wechselintervalle und Aufbereitung richten sich nach der ärztlichen Anordnung und den Herstellerangaben, die Dokumentation macht den Verlauf nachvollziehbar.
Cuffdruck, Sekretverlauf und Schichtzeichnung an einem Ort: Sehen Sie sich an, wie ITbuddy.Care die Trachealkanülen-Doku in der Intensivpflege-Strecke abbildet.
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Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung.